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Geschichte der Burg- und Schlossanlage Grafenstein/Grabštejn bis 1945

Jan Matoušek

 

                Unter Historikern werden darüber, wann die Burg Grafenstein erbaut wurde, große aber unbedeutende Diskussionen geführt. Wir haben keine Chance, das genaue Datum zu erfahren, weil keine schriftliche Quellen vorhanden sind. Der älteste schriftliche Nachweis zur Burg, eine Urkunde mit angefügtem Siegel, stammt aus dem Jahr 1286. Darin wird Otto II.,  von Dohna  auf Grafenstein erwähnt. Die  Burggrafenfamilie von Dohna, mit welcher der Anfang der Burg verbunden wird, hat jedoch eine wesentlich längere Geschichte, welche mindestens bis in den Anfang des 12. Jahrhunderts zurückgreift. Der Burgvogt Heinrich III. musste wegen seiner Konflikte mit dem damaligen Bischof von Meißen, Konrad I. von Wallhausen, die Grafschaft und Burg Dohna verlassen. Nach 1256 suchte er Ruhe und Schutz beim böhmischen König, in der Dohnaischen-Herrschaft von Ostritz nördlich von Zittau.

                Heinrich oder einer von seinen Söhnen bekam Grafenstein als Lehen, wohl von Přemysl   Otakar II. Der Lehensbesitz war im damaligen böhmischen Königreich eine heiße Neuheit, welche eher von Frankreich oder vom Heiligen Röhmischen Reich bekannt wurde. Die Herrschaft hieß damals nicht Grafenstein. Nach dem Chronisten Neplach hieß die Burg, die vom König  Přemysl   Otakar II. einem ungenannten Adeligen entzogen worden war, „Ulsycz“, was manchmal als sorbisches Wort „Olšici“ gedeutet wird. Sein Ursprung wird jedoch auch in der deutschen oder tschechischen Sprache gesucht. Es kann damit also vorausgesetzt werden, dass eine ältere, wahrscheinlich nur als Wallanlage ausgebildete Burg an der Stelle der heutigen Burg- und Schlossanlage stand, die sich damals wohl im Besitz eines Adeligen aus der großen Familie Berka von Duba befand. Der deutsche Name Grafenstein, von welchem auch die tschechische Bezeichnung Grabštejn abgeleitet ist, steht zweifellos erst mit den Herrn von Dohna in Verbindung, die als Reichsburggrafen den gräflichen Status erlangt hatten. Die Herren von Dohna gehören zudem zu den ersten nachgewiesenen eingewanderten Adelsfamilien Böhmens.

                Die eigentliche Herrschaft, auch wenn deren Grenzen oft wechselten, hatte praktisch immer die Form eines Rechtecks, östlich durch die Linie Machendorf/Machnín – Kratzau/Chrastava – die heutige Grenze mit Polen begrenzt, im Süden durch die Linie Machnín – Schönbach/Zdislava – Hermsdorf/Heřmanice. Die Nord- und Westgrenze entsprach der heutigen Staatsgrenze, wobei in bestimmter Zeit auch die Gemeinden Hartau (D), Oberullersdorf/Kopaczów (PL), Groß-Poritsch/Porajów (PL) und Kleinschönau/Sieniawka (P) zur Herrschaft gehörten. In südwestlicher Richtung machte die Grenze einen Bogen, in welchem die Gemeinden Schönbach, Petersdorf/Petrovice, Ringelshain/Rynoltice mit der Burg Falkenburg/Falkenburk lagen. Zu isolierten herrschaftlichen Siedlungen gehörten auch Lehensdörfer im Friedländer Zipfel und ab dem 15. Jahrhundert zudem Hörnitz (D). Die Lehensherrschaft des böhmischen Königs hatte eigene Lehenmänner in den kleinen Siedlungen.

 

Bild: Grafenstein. J. Kritscher. Blick auf die Burg Grafenstein von Osten
Bild: Grafenstein. J. Kritscher. Blick auf die Burg Grafenstein von Osten           

 

Der Erbauer der heutigen Burg, von welcher insbesondere die Keller aus der Zeit der Herren von Dohna erhalten blieben, war entweder Heinrich selbst oder einer seiner Söhne, am ehesten  Jaroslaus I. [bzw. Jaroslaw](gestorben um 1317) oder Otto II. Seine anderen Söhne gründeten den schlesischen Zweig der Familie in Guhrau/Góra sowie einen weiteren Lausitzer Zweig. Auch in dem eigenen Grafensteiner Zweig der Familie lebten mehrere Brüder, für sie wurde in der Mitte des 14. Jahrhunderts die Burg Roimund erbaut, derer Ruine bis heute oberhalb von Weißkirchen/Bilý Kostel nad Nisou erhalten ist.

                Von den folgenden Besitzern von Grafenstein ist  Wentsch (gestorben um 1471) bekannt, welcher vom Schweidnitzer Zweig stammte, der vom Enkel Heinrichs III., Wenzel I. begründet worden war. Venčs gleichnamiger Großvater stammte selbst aus dem Unterzweig aus der Burg Tzschocha/Czocha (PL), die aber noch von Venčs Vater Wenzel II. verkauft wurde. Venč (Wenzel III.) übernahm Grafenstein 1428 von Heinrich VII., seinem verstorbenen Cousin, zunächst als Rechtsbeistand von Heinrichs minderjährigem Sohn Johann V., nach einem Vergleich mit ihm auf Dauer. Ebenso wie Heinrich VII. war auch Venč katholischen Glaubens. Dies hatte 1424 zu einem hussitischen Einfall mit Belagerung von Grafenstein sowie Niederbrennung von Grottau und Kratzau geführt. Der neue Eigentümer wollte seinen Besitz vor den Hussiten schützen. So verheiratete er Heinrichs Schwester mit dem hussitischen Hauptmann Nicholaus von ,Kaisberg dem er gleichzeitig Kratzau schenkte. Dies genügte Nicholaus jedoch nicht, weshalb er 1430 Grafenstein eroberte und Venč in die Flucht trieb. Gegen den ambitionierten, in der Oberlausitz einflussreichen Nikolaus erhob sich der Oberlausitzer Städtebund mit Johann von Wartenberg  auf Rollburg an der Spitze. Die Belagerung von Grafenstein 1433 war allerdings nicht erfolgreich, Johann von Wartenberg wurde als Verräter angeklagt und in Zittau von Pferden gevierteilt. Den Sturz des räuberischen Nikolaus von  Kaisberg führte erst Siegismund von Wartenberg von Tetschen herbei, der in der Zeit von Hussiten zur Königsseite übertrat. Es ist nicht sicher, ob Grafenstein 1435 von Sigismund erobert wurde oder vom hussitischen Hauptmann Jan Čapek ze Sán, der nach der Schlacht von Lipan für die Erhaltung des Landesfriedens, auch auf der Seite der Katholiken, kämpfte. Auf jeden Fall setzte Jan/Johann Čapek ze Sán als Hauptmann der Burg Štěpán/Stephan Tlach ein, der erneut mit Raubzügen in die Lausitz startete. 

                 Wentsch ist es in den nächsten zwei Jahren wahrscheinlich auf dem Rechtswege gelungen, Grafenstein zurück zu erhalten. Venč versuchte, seinen  Vetter Hlawatsch von Dohna aus dem Schweidnitz-Königsbrücker Zweig der Familie mit eigenen Ansprüchen auf die Lausitzer Herrschaft Königsbrück zu entschädigen, konnte aber den Frieden mit den Lausitzer Städten nicht einhalten. Die Städte verbündeten sich nach der nachhussitischen Verwirrung mit Sigismund von Wartenberg sowie mit den Biebersteinern von Friedland. Grafenstein wurde zweimal belagert, 1448 noch ohne Erfolg, zwei Jahre jedoch unterlag sie nach einer dreitätigen Belagerung dem Görlitzer Vogt und Heerführer Hans von Kolditz. Venč Wentsch half auch das Bündnis mit dem Schwiegersohn Albrecht Berka von Dauba  auf Wildenstein und Tollenstein/Tolštejn nicht und er musste dem Oberlausitzer Sechsstädtebund den Frieden schriftlich versprechen. Gleichzeitig dauerte zudem  Wentschs Erbkonflikt mit seinem  Vetter Hlawatsch; wahrscheinlich wurde dieser Streit erst mit der Übergabe des Grafensteins an  Wentsch aus den Händen des Königs Ladislaus Postumus geschlichtet. Spuren von hussitischen und nachhussitischen Belagerungen sind noch heute auf der steilen Anhöhe oberhalb des Teiches gegenüber der Burg zu finden.

                In den folgenden Jahrzehnten gehörte Nikcholaus II. (gestorben 1542) zu den berühmtesten Persönlichkeiten der Familie. Ihm gelang es, Grafenstein von seiner Lehensschuld gegenüber der Krone (1. 11. 1514) von Wladislaw II. zu befreien. In Folge der Zerstörung der Landtafeln durch einen Brand und des Konflikts um das Recht, wieder die Erhabenheit des Königs Wladislaw einzusetzen, ging dieses Privilegium in der Zeit der Söhne Nicholaus‘ II. wieder verloren. Nikolaus führte ein aufwendiges Leben. Er organisierte eine prächtige Armbrustschießerei auf Holzgefieder, eine Vogeljagd, zu welcher 102 Herren eingeladen waren – eine Ausnahme bildeten nahe Nachbarn (z. B. die Herren von Bieberstein), mit welchen er in Konflikten stand. Er hatte zahlreiche Kinder, darunter sechs Söhne. Dies Alles führte zu einer riesigen Verschuldung der GrafensteinerHerrschaft, die von den Erlösen nicht mehr gedeckt werden konnte und die selbst mit den Geldheiraten einiger Brüder nicht zu lösen war. Dies gilt auch für . Jaroslaus II. [bzw. Jaroslaw], der mit der Ehe die Nachbarherrschaft Lämberg/Lemberk erhielt. Da er keinen keinen Sohn hinterließ, gelangte die Herrschaft in die Hände von Verwandten seiner Ehefrau; es war also nicht möglich, auf diesem Weg die Schulden zu bezahlen. Die letzten Brüder, Christoph und Albrecht II., mussten schließlich den von der böhmischen Kammer ausgerufenen Entzug ihrer Herrschaft hinnehmen. Dieser Schlag war umso härter, als die Familie Dohna im Laufe der Jahrhunderte bereits um die Herrschaft Ostritz und zerstreuten Besitz in der Oberlausitz gekommen war. Dem Verlust der Familienherrschaft folgte das Aussterben des Grafensteiner Zweiges. Kein männliches Mitglied überlebte das Jahr 1609.

                Am 6. 12. 1562 kaufte Georg Mehl von Strehlitz (um 1514–1589), Hochbürger von Breslau und Jurist, die verschuldete Herrschaft für 86.000 Haufen Meißner Groschen. Zuvor war Grafenstein von der böhmischen Kammer auch den bayerischen Herzögen angeboten worden. Vier Jahre später erreichte Mehl die endgültige Freigabe der Herrschaft von der Lehenslast, unmittelbar nachdem der Verkäufer Albrecht von Dohna den Verkauf der Herrschaft in die Landestafeln hatte eintragen lassen. Mehl ließ die Burg in Jahren 1564–1569 zur heutigen Gestalt umbauen. Aus dem Grund wäre es besser, sie Schloss zu nennen. Als Burg wird sie heute eher aus Gewohnheit und wegen der Lage auf einem Felssporn bezeichnet. Die heutige Bezeichnung ist Burg und Schloss Grafenstein, wobei es nicht klar ist, ob das gesamte Objekt oder nur das Vorburggebäude als Schloss wahrgenomen wird. Georg Mehl, der am stärksten mit eigener Handschrift Grafenstein prägte, war eine der interessantesten Persönlichkeiten in der Geschichte dieses Gebietes. Er stammte aus einer Breslauer Patrizierfamilie und war Lutheraner, auch wenn er mit Blick auf sein Geburtsdatum als Katholik geboren sein musste. Sein Vater Balthasar erhielt im Jahr 1531 für sich selbst sowie für seine Söhne den Reichsadelstand. Nach dem Studium der Philosophie und Jura in Ingolstadt und Bologna wirkte Georg als kaiserlicher Rat und seit 1553 als deutscher Vizekanzler der Krone Böhmen. Vor dem Kauf von Grafenstein diente er dem Kaiser als treuhänderischer Ermittler in der Oberlausitz nach dem Ständeaufstand und Pönfall von  1547 sowie als Hofrichter des Fürstentums Schweidnitz-Jauer. Er war sehr gebildet und besaß eine große Bibliothek, die in Grafenstein oder in seinen Haus auf der Prager Kleinseite aufbewahrt wurde. Bis heute blieben davon nachweislich 17 Bände erhalten. In den Jahren 1571–1572 ließ er auf dem Grafensteiner Burgturm vom Görlitzer Mathematiker Bartholomäus Scultetus eine Sternwarte errichten, wahrscheinlich die erste in ganz Böhmen. Damals existierte noch kein Fernrohr, da dieses erst 1608 in den Niederlanden von Hans Lippershey erfunden wurde.

                Georg Mehl erwarb sich Verdienste bei der Entwicklung der ganzen Herrschaft. Wie schon die Familie Dohna, allerdings wesentlich intensiver, förderte er den Silber-, Kupfer-, Zinn-, Blei- und Eisenerzabbau. Für Engelsberg/Andělská Hora erwirkte er beim Kaiser das Bergrecht, Kratzau erhielt 1581 dank seines Einflusses das volle Stadtrecht und Grottau im selben Jahr das Marktrecht. Gleichzeitig verschlechterte sich Mehls Beziehung zu Untertanen und Pächtern von Bergbauflächen sowie zu den Berbauarbeitern. Mehl forderte hohe Bergbausteuern, zwang die Untertanen zu neuen Zwangsdiensten, zahlte die Schulden nicht, die er von den Herren von Dohna übernommen hatte, die jene bei ihren Untertanen hatten. Deswegen kam es in den Jahren 1569–1573 sowie 1576 in der Herrschaft zu Bauernaufständen. Die Beschwerden der Untertanen, der Bergleute und adeligen Lehensmänner führten zu einer Anordnung des Kaisers Rudolf II., laut derer Georg Mehl mit den Förderern und Bergleuten einen Vergleich finden muss. Mehl gab ein neues Bergrecht heraus, die so genannte Engelsberger Bergfreiheit (24. 8. 1584), die tatsächlich eine Verschärfung der Verhältnisse brachte. Darüber hinaus verweigerte Georg Mehl mithilfe der Rechtsargumentation die der Krone gehörende Bergbausteuer. So wurde Georg Mehl vom Kaiser gezwungen, Grafenstein zu veräußern. Neuer Eigentümer von Herrschaft und Burg wurde am 27. 10. 1586 Mehls Freund, der steirische Adlige Ferdinand Hoffmann, Freiherr von Grünbühl und Strechau. Er erwarb Grafenstein für 164.000 Haufen Meißner Groschen, also für das Doppelte des Preises, den Mehl wenige Jahre früher bezahlt hatte.

                Ferdinand Hoffmann (1540–1607), Träger einer ganzen Reihe österreichischer Landesorden, außerdem Hofmeister der Steiermark und Marschall in Österreich, verweilte die meiste Zeit auf seinen mährischen und steirischen Residenzen, auch wenn er Elisabeth gehratet hatte, die Tochter jenes Albrecht von Dohna, der Grafenstein 1562 verkauft hatte. Als Ferdinand Hoffmann starb, verwaltete Elisabeth die Herrschaft selbst, bis sie 1610 Grafenstein ihrem dritten Ehemann Johann Freiherr von Tschirnhaus und Bolkenhein (gest. 1621) übergab.

                Die Familie Tschirnhaus, die im schlesisch-lausitzischen Grenzgebiet ansässig war, gehörte der evangelischen Konfession an,  trat dem Ständeaufstand in Böhmen nicht bei.  In der Amtszeit von Johanns minderjährigem Neffe Johann Heinrich von Tschirnhaus brannte in der Nacht zum 9. 4. 1622 der Burgturm ab. Auch wenn die Familie Tschirnhaus den Kaiser nicht verriet, flohen Johann Heinrich und sein Onkel und Rechtsbeistand David Heinrich (gest. 1642) nach Zittau, nachdem am 10. 3. 1628 die Rekatholisierungskommission des Grafen Kolowrat in die Herrschaft gekommen war,. Der Grund für den Einmarsch der Kommission war der zweijährige Konflikt zwischen David Heinrich und dem Grottauer Pfarrer Hans Brambilla, welcher Tschirnhaus der Verfolgung von Katholiken in der Herrschaft beschuldigte. Zum Besitztum, das die Familie Tschirnhaus auf 30 Wagen nach Zittau transportierte, gehörten sechs Wagen mit Fassbier. Die Zittauer Stadtbürger erlaubten allerdings nicht, das Bier in die Stadt mitzubringenš weshalb sie die Fässer zerstörten. David Heinrich, der sein Pflegekind überlebte, kehrte erst beim Einmarsch der sächsischen Armee im Jahr 1631 nach Böhmen zurück, womit er den Kaiser verriet. David Heinrich wurde in Abwesenheit von der Gerichtskommission verurteilt, insbesondere zum Besitzverlust. Auf diese Entscheidung wartete Albrecht von Waldstein (Wallenstein) allerdings nicht: Er hat die Burg schon im Jahr 1632 erobert. Ein Jahr später übergab er sie seinem Vetter, dem Grafen Maximilian von Waldstein. David Heinrich von Tschirnhaus gelang es, nachdem Wallensteins ermordet wurde und die Familie in Ungnade fiel, die Erneuerung des vorherigen Gerichtsprozesses zu erreichen. So wurde  1637 David Heinrich von Tschirnhaus für unschuldig erklärt und sein Eigentum mit der Bedingung zurückgegeben, dass er als Protestant nicht mehr in Böhmen bleibe. Die hoch verschuldete Herrschaft Grafenstein konnte allerdings auch wegen des langen Krieges nicht verkauft werden.

                Grafenstein übernahm erneut die Aufgabe einer Schutzfestung. Zu Beginn des Jahres 1632, beim ersten Einzug der Schweden in das Reich, wurden die Befestigungsanlagen repariert und ausgebessert. Gemeinsam mit den nahstehenden Burgen Friedland und Hauska/Houska diente Grafenstein  wenigstens bis 1643 als Grenzfestung. Damals waren hier das Infanterie-Regiment des Generals und Grafes Burian von Waldstein sowie das Regiment des Grafen Jaroslav Libštejnský von Kolowrat unterwegs. Die Soldaten aus diesen Regimenten fanden gerade in den Burganlagen Unterkunft. Daneben diente Grafenstein auch als Getreidelager für die Armee. Die Bevölkerung sahen die Anwesenheit der Soldaten in der leeren Burg ungern, was sich nach der Eroberung durch die Schweden am 16. 9. 1645 noch verschlechterte. Die Burg wurde wahrscheinlich ohne Kampf im Zusammenhang mit dem Zug des Generals Königsmarck von Reibersdorf/Rybarzowice auf Friedland und Grafenstein belegt. Danach gehörte sie unter der Führung von Joachim Morgenstern aus dem Regiment „Reichwald“ zur schwedischen Verwaltung. Nach dem Krieg und dem Abzug der Schweden aus dem Land und aus Grafenstein, wo der Feind bis zum Kriegsende blieb, wurden Burg und Herrschaft von der Familien Tschirnhaus endlich verkauft. Für 169.167 Gulden ging die Burg mit der hoch verschuldeten Herrschaft an Johann Hartwig, Graf von Nostitz (1610–1683).. Die Herrschaft Grafenstein bildete jedoch nur einen Teil der Tschirnhaus-Besitzes, zum dem auch der Hof Lieben/Libeň und ein Palast auf der Prager Kleinseite gehörte. Dieses gesamte Eigentum kaufte Nostitz für 244.067 Gulden ohne Abzug der tschirnhausischen Schulden. Grafenstein blieb aber nur drei Monate im Besitz von Nostitz: Nach dem Kauf am 16. 5. 1651 erfolgte bereits am 16. 8. 1651 der erneute Verkauf der Herrschaft zum Kaufpreis an Adam Matthias Graf von Trauttmansdorf und Weinsberg (1617–1684).

                               Adam Matthias musste der Verordnung von Kaiser Ferdinand III. zustimmen, laut derer die Schutzmauer und Holzbefestigung abzubauen waren. Er versuchte die kaiserliche Verordnung zu umgehen und ließ nur die schwedischen Palisaden abbrechen. Im August 1655 wurde Grafenstein jedoch vom kaiserlichen Oberst und Festungsingenieur Francesco Pieroni de Galliano besucht, der den vollständigen Abbau der Schutzmauer anordnete. An Adam Matthias und seine Frauš Gräfin Ewa Johanna  von Sternberg, erinnern die Familienwappen in der Kapelle. Das Städtchen Grottau verdankt ihm die Auflösung des Frondienstes gegen finanziellen Ersatz, die so genannte Robot-Reluition. Am Anfang des Jahres 1680 ließen sich die Untertanen unter der Leitung vom Wetzwalder Richter Hans Thiele von der allgemeinen Welle von Bauernaufstände mitreißen, die damals eine großen Teil Böhmens erfaßt hatten und über Friedland in die Grafensteiner Herrschaft gelangte. Auch wenn es auf Grafenstein dank der friedlichen Herrschaft nicht zur Zuspitzung des Konfliktes kam, überliefern die Quellen eine fast komische Geschichte: Der Herrschaftsverwalter Lorenz Seibt verhaftete auf der Burg die Frauen von einigen Untertanen, damit er diese Männer zur Ruhe bringen konnte. Daraufhin stürmten die Männer – 400 an der Zahl! – die Burg. Die Geschichte sowie der ganze Konflikt endeten friedlich. Die Familie Trauttmansdorf residierten in Bischofteinitz/ Horšovský Týn, während Grafenstein nur als eine Geldquelle diente. Unter Adams Nachfolgern Rudolf Wilhelm (1646–1689) und Johann Josef (1676–1713) stiegen die Familienschulden derart an, dass Johann Josef die Burg auf Befehl der böhmischen Kammer für 401.500 Gulden verkaufen musste. Kaiser Leopold I. bestätigte den Verkauf am 18. 11. 1704.

                Neuer Besitzer von Burg und Herrschaft Grafenstein wurde Johann Wenzel, Graf von Gallas (1671–1719), der Besitzer von Reichenberg und Friedland, der drei Jahre später den Wert aller seiner Herrschaften von der böhmischen Kammer in Prag berechnen ließ. Dabei ergab sich ein Wert der Gafensteiner Herrschaft von 1.000.479 Gulden. Der Jahresertrag betrug 116.726 Gulden. Johann Wenzel verweilte als kaiserlicher Diplomat überwiegend im Ausland; Grafenstein wurde nur als Zentrum einer Nebenherrschaft des Gallas-Dominiums genutzt. In der Zeit seines Sohnes, des Grafen Philipp Joseph (1703–1757) kam zweimal der Krieg in die Region. Während des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740–1748) bewahrte Philipp Joseph, als einer von wenigen böhmischen Herrschaftsträgern die Treue zur Habsburger Familie; die Burg Grafenstein blieb aber – wahrscheinlich durch Zufall – ungeplündert. Im Dezember 1743 zogen Preußen von Pankraz/Jitrava über Ullersdorf/Oldřichov/Kopaczów und Wetzwalde weiter nach Friedland. Am 27. November des nächsten Jahres folgten die Österreicher mit dem berühmten Pandurenoberst Trenck von Kratzau nach Zittau. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) nutzten die feindlichen Preußen den Getreidespeicher im Wirtschaftshof gegenüber der Schlossanlage als Lazarett. Dies geschah in der Zei nach der Zerstörung Zittaus im Juli 1757. Danach wurde die Burg erneut als Lazarett genutzt, diesmal für die habsburgischen Soldaten, wovon 700 hier starben und neben dem Speicher begraben wurden.

                Philipp Joseph war der letzte männliche Nachfolger der Familie Gallas. Er übergab alle Herrschaften seinem entfernten Verwandten Christian Philipp Freiherr und seit 1759 Graf von Clam (1748–1805). Als dieser volljährig wurde und die Verwaltung der Gallas-Herrschaften übernahm, bestätigte Maria Theresia am 29. 8. 1768 den Zusammenschluss von Familienwappen und –namen zur neuen Familie von Clam-Gallas. In der Zeit von Christian Philipp brannte am 13. 4. 1781 die Burg ab. In der Folge kam es zu Sanierungen und anderen Baumaßnahmen. Christian Philipp ließ daraughin – wahrscheinlich als Folge des Brandes – im Januar 1793 eine neue Schätzung der Herrschaft vornehmen. Im 19. Jahrhundert wurde die Burg bzw. das Obere Schloss fast ausschließlich von Beamtern und Mitarbeitern genutzt und nicht mehr von der Herrschaft bewohnt.

                Der Nachfolger und Sohn von Christian Philipp, Graf Christian Christoph (1771–1838), ist insbesondere bekannt durch die Heirat mit Gräfin Josephine Caroline von Clary und Aldringen (1777–1828), einer begabten Musikerin, einer der ersten Gitarre-Spielerinnen und Freundin von Ludwig van Beethoven. Der Graf selbst ließ 1818 das alte Beamtenhaus aus der Zeit von Mehl von Strehlitz zum neuen Herrschaftssitz umbauen, der heute als Unteres Schloss bezeichnet wird und damals zur saisonellen Unterkunft der Familie Clam–Gallas diente. In der Burg selbst errinnert eine Eisentür mit der Jahreszahl 1826 und den Buchstaben G K. H. G. (Gerichtskasse Herrschaft Grafenstein) in den ehemaligen Büros an Christian Christoph. Die Tür verschloss eine Nische zur Aufbewahrung von Archivalien. In dieser Zeit wurde in der Familie des Verwalters Franz Bernert der Sohn Franz Johann (1811–1890) irgendwo im Schlossareal geboren, wahrscheinlich im Kavalierhaus, dem Gebäude gegenüber des Unteren Schlosses. Dieser schlug die geistliche Laufbahn ein und wurde als Titularbischof von Azotus geweiht. Er wurde nicht nur Apostolischer Vikar in den sächsischen Erblanden , sondern auch Beichtvater des sächsischen Königs Albert.

Die Napoleonischen Kriege betrafen die Burg vermutlich nicht, auch wenn die Stadt Grottau im August 1813 kurz von wegziehender französischen Gruppen mit etwa 3000 Soldaten des Generals Brun belagert worden ist. Am 2. 9. 1813 zogen die polnischen Gruppen der österreichischen Armee um die Burg.

                In der Zeit von Christians Nachfolger und zweitgeborenen Sohnes, des Grafes Eduard (1805–1891), eines kaiserlichen Generals, Kaisersgenerals, brannte die Burg erneut ab, als in der Nacht vom 4. 6. 1843 ein Blitz in den Burgturm niederfuhr. Nach den Sanierungen erhielt der Burgturm für anderthalb Jahrhunderte die Form einer neugotischen Warte. Im Preußisch-Österreichischen Krieg im Juli 1866 errichteten die Preußen auf der Burg eine Feldpost mit Telegraphenstation.

                Eduards Sohn und letzter männlicher Familienspross, Graf Franz (1854–1930), bewohnte mit seiner Ehefrau Gräfin Maria von Hoyos-Sprinzenstein (1858–1938) eine Zeit lang das Schloss in der Vorburg. Hier brachte das junge Ehepaar 1886 die erste Tochter Christiane (gest. 1947) zur Welt. Der Graf teilte das ganze Dominium zwischen den beiden Töchtern auf. Das Schloss Grafenstein erbte Maria (1893–1959), die den Graf Karl Podstatzki-Liechtenstein (1874–1946) heiratete. Die Herrschaft wurde in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Flurreform enteignet. Noch im Jahr 1921 fand auf Grafenstein die Hochzeit der Gräfin Sophie (1900–1980), Marias jüngster Schwester, mit Eduard Rupert, Prinz von Auersperg (1893–1948) statt. Wahrscheinlich nach 1931 entstand in der Burg ein Museum der Familie Clam-Gallas, in welchem auch afrikanische Jagdtrophäen von Karl Podstatzki-Liechtenstein präsentiert wurden. Seit den zwanziger Jahren des 20.Jahrhunderts war die Burg mit ihrer wertvollen Kapelle, der wunderbaren Aussicht vom Burgturm ein beliebtes Ziel von Touristen, die auch die renommierte Gaststätte am Teich unter der Burg mit dem Bier aus der lokalen Brauerei aufsuchten. Der Schlosspark blieb für die Öffentlichkeit geschlossen.

                Dem Zweiten Weltkrieg gingen die Münchner Ereignisse voraus. Nach dem Volksmund übernachtete General Fedor von Bock – später als Feldmarschall berühmt geworden in der Schlacht bei Moskau 1941 – während einer Inspektion im Sudetenland im Schlossareal. Gräfin Maria und ihr Ehemann mussten die Kriegszeit in Wien verbringen. Zurück auf den Grafenstein kamen sie im Chaos des April 1945, kurz vor Kriegsende. Es ist eine Ironie des Schicksaals, dass das Eigentum dieser Familie mit ihren nachweislichen antinazistischen Positionen und ihren Problemen mit deutschen Verwaltungsbehörden aufgrund der Beneš-Dekrete entzogen wurde. Damit fand die 700 Jahre lange Epoche des Adels auf Grafenstein ein Ende.

 
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